Musik
Sommermusik 4. Kammerkonzert | Cellosuiten von Johann Sebastian Bach auf Barockinstrumenten
So | Hoflößnitz-
1737 äußerte J. A. Scheibe über eine wünschenswerte Einstellung des ›Critischen Musikus‹: »Alle praktischen Musikanten sollen überhaupt darauf sehen, dem Sinne des Componisten gemäß zu singen und zu spielen und folglich alle Noten rein und deutlich auszudrücken. Ich verlange deswegen gar nicht, daß ein praktischer Musikant alle Stücke, die ihm vorgelegt werden, ohne sie weiter zu kennen, gleich weg singen oder spielen soll. [...] Ich verlange vielmehr, daß er geschickt seyn soll, diejenigen Stücke, welche er durchzugehen Zeit und Gelegenheit hat, rein, deutlich, ordentlich und mit gehörigem Nachdruck zu singen und zu spielen. Ich glaube ohnedieß, daß es nicht ohne Wunderwerk geschehen kann, ein [...] schweres Stück mit völliger Schönheit, Ordnung und Nachdruck herauszubringen, wie es dem Sinne des Komponisten gemäß ist, wie es die Eigenschaften der Schreibart, und alle übrige dazu gehörigen Umstände erfordern.«
Für mich hat die Erarbeitung der Bachschen Cellosuiten etwas vom Bergsteigen wie noch vor 150 Jahren an sich: Man plant, strengt sich an, riskiert auch Abstürze, und was steht am Ende? Eben die Erkenntnis, dass der höchste Gipfel offensichtlich ganz woanders liegt. Das originale Kartenmaterial – die Handschrift J. S. Bachs – ist nicht mehr vorhanden. Über 100 Ausgaben gibt es inzwischen, die sich an der erhaltenen Kopie und späteren Abschriften orientieren. Doch findet man den Weg dadurch besser? Wir können Bachs Sprache nur erahnen. Wissen wir wenigstens, für welches Instrument er schrieb? Da verlangt Bach drei verschiedene Typen: zunächst ein viersaitiges, dieses jedoch zuweilen anders gestimmt, und schließlich in der D-Dur Suite ein fünfsaitiges Cello...
1737 baute Antony Stephan Posch in Wien das zu hörende viersaitige Cello. Als Eigentum des Klosters vom Heiligen Hieronymus in Wien überlebte es die vielen Veränderungen, welche bei Streichinstrumenten üblich sind, relativ unbeschadet und ist heute eines der wenigen erhaltenen »Großen Celli«. 32 Jahre später baute Marx Straub in Rötenbach das kleine fünfsaitige Instrument; ein seltenes Zeugnis der alemannischen Geigenbautradition im Schwarzwald, die vor 200 Jahren zu Ende ging.
Bernhard Hentrich · Violoncello
quelle: hofloessnitz.de