Politische Repräsentation gehört zum normativen Kern demokratischer Ordnungen. Doch weltweit gerät die Qualität demokratischer Institutionen zunehmend unter Druck. Der anhaltende Trend der demokratischen Erosion und (Re-)Autokratisierung verändert nicht nur Machtstrukturen und Gewaltenteilung, sondern auch die Bedingungen politischer Inklusion und Exklusion. Marginalisierte Gruppen stehen dabei häufig im Zentrum politischer Konflikte: Sie werden symbolisch instrumentalisiert, rechtlich eingeschränkt oder diskursiv delegitimiert.
Formen der Unterdrückung wirken somit nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene, sondern sind eng mit Regimeentwicklungen verbunden. Fragen politischer Repräsentation berühren grundlegende Dimensionen demokratischer Legitimität: Wer wird sichtbar gemacht, wer systematisch übergangen? Unter welchen Bedingungen gelingt substanzielle Repräsentation, und wann bleibt sie symbolisch? Inwiefern fungieren Minderheiten als Mobilisierungsthemen im Wettbewerb zwischen sozialdemokratischen, konservativen oder radikal rechten Parteien? Und welche Rolle spielen Exklusionsstrategien in Prozessen demokratischen Rückbaus?
Das HAIT-Kolloquium widmet sich diesen Zusammenhängen im Sommersemester 2026 unter dem Titel „Politische Repräsentation und Formen der Unterdrückung marginalisierter Gruppen“. Die Beiträge reichen von historischen Analysen der strafrechtlichen Verfolgung homosexueller Menschen über Untersuchungen zur politischen Repräsentation von LGBTQ+-Personen bis hin zu aktuellen Entwicklungen im Parteienwettbewerb der radikalen Linken und radikalen Rechten sowie zur transnationalen Kooperation radikal bis extrem rechter Akteure, sowie zu Arbeiten zur Politisierung von Familienfragen und zur Rolle sozialkonservativer Netzwerke bei der Verstärkung politischer Polarisierung. Ziel ist es, politische Repräsentation und Unterdrückung als Bestandteil breiterer Regimeveränderungen zu analysieren und ihre Bedeutung für demokratische Stabilität, Legitimität und Resilienz zu diskutieren.
Vorträge
- 23. April – „Eine freiere Atmosphäre“? Die Reformdebatte über § 175 und die Strafverfolgung Homosexueller in den 1950er und 1960er Jahren. Alexander Zinn
- 30. April – Being Politically Represented By One of Their Own? The Case of Lesbian, Gay, Bisexual, and trans* Individuals. Constantin Wurthmann (Politikwissenschaften, Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
- 19. Mai – Who Appeals to Routine Workers? Social Democracy and Left-Wing Party Competition. Sarah Wagner (Queen's University Belfast)
- 18. Juni – Shared Enemies or Shared Projects? The Discursive Foundations of Ibero-American Far-Right Cooperation Mariana Mendes (MIDEM, TU-Dresden)
- 25. Juni – Uncivil Society and Polarization in Eastern Europe. Lenka Buštíková (University of Florida)
Termine
- 23.04.2026 11:10 („Eine freiere Atmosphäre“? Die Reformdebatte über § 175 und die Strafverfolgung Homosexueller in den 1950er und 1960er Jahren) Hannah-Arendt-Institut
- 30.04.2026 11:10 (Being Politically Represented By One of Their Own? The Case of Lesbian, Gay, Bisexual, and trans* Individuals) Hannah-Arendt-Institut
- 19.05.2026 11:10 (Who Appeals to Routine Workers? Social Democracy and Left-Wing Party Competition) Hannah-Arendt-Institut
- 18.06.2026 11:10 (Shared Enemies or Shared Projects? The Discursive Foundations of Ibero-American Far-Right Cooperation) Hannah-Arendt-Institut
- 25.06.2026 11:10 (Uncivil Society and Polarization in Eastern Europe) Hannah-Arendt-Institut