Das Tagebuch beginnt am Tag des Überfalls der russischen Armee auf die Ukraine. Von diesem Moment an hält die russische Schriftstellerin Natalja Kljutscharjowa in unzähligen Miniaturen fest, was um sie herum geschieht und was sie selbst tut, denkt und fühlt – pendelnd zwischen Wut und Trauer, Ohnmacht und Protest. Und sie beschreibt mit großer Genauigkeit die Verwerfungen innerhalb der russischen Gesellschaft: den wachsenden Graben zwischen denen, die den Krieg befürworten, und jenen, die sich mit ihrem Protest in Gefahr für Leib und Leben bringen. Kljutscharjowa wird damit zur Stimme für einen Teil der russischen Zivilgesellschaft, der im aktuellen Diskurs kaum noch zu hören ist: derjenigen, die gegen den Krieg und gleichzeitig von permanenten Schuldgefühlen geplagt sind. Fast nebenbei schildert der Text auch die schleichende Auflösung der Zivilgesellschaft durch Propaganda und Netzpolemik. Dass die Autorin nach der Veröffentlichung des Buches Russland umgehend verlassen musste und nun in Deutschland im Exil lebt, ist eine traurige Pointe.
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Die Schauspielerin Anastasia Gubareva nähert sich in der Regie von Fabian Gerhardt dem Text durch das Prisma ihrer eigenen Biografie: als Russin, die seit ihrer Kindheit in Deutschland lebt, und durch die Ereignisse der letzten Jahre in permanentem Konflikt mit einer Heimat lebt, die keine mehr ist: »Ich kann mir nur ausmalen, was es bedeutet, heute in Russland zu leben, im Moment fahre ich nicht einmal mehr hin. Vor kurzem fragte mich jemand, was ich an Russland mag und ich konnte die Frage nicht mehr beantworten, mir ist in dem Moment buchstäblich nichts eingefallen. Das ist ziemlich traurig.«
Quelle: Societätstheater
Termine
- 20.11.2026 20:00 Societaetstheater
- 21.11.2026 20:00 Societaetstheater