Lesung / Vortrag / Gespräch
Spuren des Forschens - Koloniale Kontexte und Provenienzforschung an Sammlungen der Universität Leipzig Erstcheck der „Sammlung“ des ehemaligen Instituts für Ethnologie
Do | GRASSI Museum für Völkerkunde zu LeipzigJahrelang lagerte im Keller der Universität Leipzig eine „Sammlung“ aus dem ehemaligen Institut für Ethnologie: rund 250 Cultural Belongings, deren Herkunft weitgehend ungeklärt ist und die keinen festen Platz mehr in der Lehre hatten. Das Zentrum für immaterielles und materielles Kulturgut (ZimaK) hat sich dieses verwaisten Bestands angenommen. Dank eines vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Erstchecks liegt inzwischen ein erster Überblick vor. Nun gilt es, nach der Herkunft der Belongings, den Kontexten ihrer Aneignung und ihren Wegen nach Leipzig zu fragen: Welche Rolle spielten wissenschaftliche Netzwerke, koloniale Machtbeziehungen, Forschungsreisen, Schenkungen, Tausch und andere Formen des Erwerbs?
Die Projektverantwortliche Maike Schimanowski stellt erste Ergebnisse vor. Sie zeigt, welche Spuren sich verfolgen lassen, wo koloniale Verflechtungen sichtbar werden und wo die Überlieferung Lücken aufweist. Anschließend weitet das Podium den Blick vom Leipziger Fall auf eine grundsätzliche Frage: Welche Ethik des Forschens brauchen wir im 21. Jahrhundert, und wie lösen wir uns von überkommenen Praktiken des Aneignens, Beforschens und Zur-Schau-Stellens? Wie haben wissenschaftliche Netzwerke und koloniale Machtbeziehungen universitäre „Sammlungen“ geprägt? Welche Verantwortung trägt eine Universität für die Aufarbeitung der Aneignungskontexte und für die Zukunft dieser Bestände? Und warum sollte das Teilen von Informationen mit den Herkunftsgesellschaften nicht am Ende der Forschung stehen, sondern schon jetzt beginnen?
Programm
Begrüßung
Dr. Jörn Lang, Universität Leipzig und Sprecher des ZimaK
Impuls
Erste Ergebnisse des Erstchecks
Maike Schimanowski, Provenienzforschung, ZimaK
Podiumsdiskussion mit u.a.
Stefanie Bach, GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig (angefr.)
Maike Schimanowski, ZimaK
Moderation
Deutsches Zentrum Kulturverluste
Offene Diskussion mit dem Publikum
Ausklang bei Getränken und Fingerfood
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Quelle: Staatliche Kunstsammlungen Dresden